
Warum fällt uns Nichtstun so schwer?
Über Leistungsdenken, schlechtes Gewissen und die verlorene Kunst der Pause
Wann hast du das letzte Mal wirklich nichts getan?
Nicht Fernsehen.
Nicht durch Instagram scrollen.
Nicht nebenbei Nachrichten beantworten.
Nicht schon einmal überlegen, was du morgen erledigen musst.
Sondern wirklich nichts.
Einfach dasitzen. Aus dem Fenster schauen. Einen Kaffee trinken. Die Gedanken kommen und wieder gehen lassen.
Klingt einfach?
Für viele Menschen ist es das erstaunlicherweise nicht.
Kaum sitzen wir für ein paar Minuten ruhig da, meldet sich schon eine Stimme:
„Eigentlich könnte ich doch noch …“
Die Waschmaschine anstellen.
Eine E-Mail beantworten.
Die Küche aufräumen.
Noch schnell etwas erledigen.
Und manchmal passiert etwas Merkwürdiges:
Wir haben endlich Zeit – und können sie überhaupt nicht genießen.
Warum fällt uns Ruhe eigentlich so schwer?
Wir haben gelernt, dass Beschäftigtsein etwas Gutes ist
„Ich habe heute richtig viel geschafft.“
Diesen Satz sagen wir meistens mit einem guten Gefühl.
Und natürlich dürfen wir stolz darauf sein, etwas geschafft zu haben.
Problematisch wird es erst, wenn wir beginnen, unseren eigenen Wert daran zu messen.
Wie produktiv war ich?
Was habe ich erledigt?
Wie viele Häkchen stehen auf meiner Liste?
Habe ich genug getan?
Wir leben in einer Welt, in der Beschäftigtsein fast zu einem Statussymbol geworden ist.
Wer viel zu tun hat, scheint wichtig zu sein.
Wer immer erreichbar ist, engagiert.
Wer ständig etwas schafft, erfolgreich.
Und wer nichts tut?
Der bekommt erstaunlich schnell ein schlechtes Gewissen.
Dabei braucht unser Kopf genauso Pausen wie unser Körper.
„Ich müsste eigentlich …“
Vielleicht kennst du diesen Satz.
Du sitzt gerade gemütlich mit einem Kaffee auf der Terrasse.
Und dann kommt er:
„Ich müsste eigentlich …“
Eigentlich noch einkaufen.
Eigentlich noch putzen.
Eigentlich jemanden anrufen.
Eigentlich Sport machen.
Eigentlich endlich diese eine Sache erledigen.
Dieses kleine Wort „eigentlich“ kann einen vollkommen entspannten Moment innerhalb weniger Sekunden in eine Verpflichtung verwandeln.
Plötzlich genießen wir nicht mehr.
Wir sitzen zwar noch auf der Terrasse – aber gedanklich sind wir längst bei unserer To-do-Liste.
Und genau das ist interessant:
Manchmal fehlt uns gar nicht die Zeit für eine Pause.
Wir erlauben sie uns nur nicht wirklich.
Eine Pause muss nicht verdient werden
Das ist ein Gedanke, den ich besonders wichtig finde.
Viele Menschen funktionieren nach einem inneren Prinzip:
Erst die Arbeit. Dann darf ich mich ausruhen.
Grundsätzlich klingt das vernünftig.
Das Problem ist nur:
Wann ist die Arbeit eigentlich fertig?
Nach dem Haushalt kommt der Einkauf.
Nach dem Einkauf die Familie.
Nach der Familie die Arbeit.
Nach der Arbeit eine Nachricht.
Und wenn tatsächlich alles erledigt ist, fällt uns garantiert noch etwas ein.
Wenn Ruhe also erst erlaubt ist, wenn wirklich alles erledigt wurde, wird sie möglicherweise niemals stattfinden.
Vielleicht dürfen wir Pausen deshalb anders betrachten.
Nicht als Belohnung.
Sondern als Teil unseres Alltags.
Aber ich entspanne doch – ich bin am Handy
Jetzt wird es ein bisschen unbequem.
Wir setzen uns aufs Sofa und nehmen das Smartphone in die Hand.
Ein bisschen Instagram.
Ein paar Nachrichten.
Ein Video.
Noch eins.
Noch schnell die Nachrichten lesen.
Und plötzlich sind 40 Minuten vorbei.
Wir haben nichts gearbeitet.
Aber haben wir uns wirklich erholt?
Nicht unbedingt.
Denn unser Gehirn bekommt weiterhin Informationen.
Bilder.
Texte.
Nachrichten.
Meinungen.
Geräusche.
Reize.
Das kann unterhaltsam sein und natürlich ist daran grundsätzlich nichts falsch.
Aber Ablenkung und Erholung sind nicht automatisch dasselbe.
Vielleicht brauchen wir manchmal nicht mehr Unterhaltung.
Sondern tatsächlich weniger Input.
Warum Ruhe manchmal sogar unangenehm sein kann
Es gibt noch einen anderen Grund, warum wir uns ständig beschäftigen.
Wenn es außen ruhig wird, hören wir manchmal plötzlich, was innen los ist.
Gedanken, die wir den ganzen Tag über überhört haben.
Sorgen.
Fragen.
Entscheidungen.
Gefühle.
Vielleicht auch eine leise Unzufriedenheit.
Solange wir beschäftigt sind, müssen wir uns damit nicht unbedingt auseinandersetzen.
Doch wenn wir still werden, tauchen manche dieser Dinge wieder auf.
Und deshalb kann Nichtstun zunächst sogar unangenehm sein.
Wir greifen zum Handy.
Stehen noch einmal auf.
Suchen eine Aufgabe.
Nicht unbedingt, weil diese Aufgabe gerade wichtig wäre.
Sondern weil Beschäftigung manchmal einfacher ist als Stille.
Wir müssen unsere Gedanken nicht ausschalten
„Ich kann einfach nicht abschalten.“
Diesen Satz höre ich häufig.
Aber vielleicht liegt genau darin schon ein Missverständnis.
Unser Ziel muss gar nicht sein, überhaupt nichts mehr zu denken.
Gedanken gehören zu uns.
Sie kommen.
Sie gehen.
Und manchmal sind sie ziemlich hartnäckig.
Ruhe bedeutet nicht zwangsläufig, einen vollkommen leeren Kopf zu haben.
Vielleicht bedeutet Ruhe vielmehr:
Nicht auf jeden Gedanken reagieren zu müssen.
Ein Gedanke darf auftauchen, ohne dass wir sofort aufspringen und etwas erledigen.
Eine Sorge darf da sein, ohne dass wir sie heute Abend noch lösen müssen.
Eine Idee darf bis morgen warten.
Das klingt banal.
Aber genau das kann erstaunlich schwer sein.
Was Hypnose damit zu tun haben kann
An dieser Stelle entsteht für mich eine interessante Verbindung zur Hypnose.
Hypnose bedeutet nicht, bewusstlos zu sein.
Und sie bedeutet auch nicht, die Kontrolle abzugeben.
Vielmehr wird die Aufmerksamkeit stärker fokussiert und nach innen gerichtet.
Das Außen darf für eine Weile etwas weniger wichtig werden.
Der nächste Termin.
Die Nachricht auf dem Handy.
Die Einkaufsliste.
Das, was noch erledigt werden muss.
In einer Hypnose entsteht die Möglichkeit, sich für einen Moment intensiver mit sich selbst zu beschäftigen.
Mit inneren Bildern.
Gedanken.
Ressourcen.
Oder mit einem Thema, das man verändern möchte.
Und vielleicht ist genau das etwas, das in unserem normalen Alltag immer seltener wird:
uns selbst ungeteilte Aufmerksamkeit zu schenken.
Nicht nebenbei.
Nicht zwischen zwei Terminen.
Sondern ganz bewusst.
Hypnose ist natürlich nicht die einzige Möglichkeit, zur Ruhe zu kommen.
Ein Spaziergang kann das sein.
Meditation.
Musik.
Ein stiller Moment im Garten.
Oder einfach zehn Minuten auf einer Bank.
Entscheidend ist vielleicht weniger, wie wir zur Ruhe kommen.
Sondern dass wir uns erlauben, überhaupt einmal dort anzukommen.
Darüber spreche ich auch bei „1 Minute MentalRaum“
Genau solche kleinen Alltagsthemen beschäftigen mich auch in meinen kurzen Videos auf Social Media.
Bei „1 Minute MentalRaum“ geht es montags, mittwochs und freitags für ungefähr eine Minute um Themen wie Gedanken, Selbstwert, Stress, Gewohnheiten, innere Ruhe, Coaching und Hypnose.
Dabei möchte ich keine perfekten Lebensrezepte verteilen.
Und schon gar nicht den Eindruck vermitteln, wir müssten uns jetzt auch noch in unserer Freizeit ständig selbst optimieren.
Manchmal geht es nur um eine Frage.
Einen Gedanken.
Oder eine Minute, in der wir etwas anders betrachten.
In dieser Woche zum Beispiel:
Wie geht es dir eigentlich wirklich?
Nicht die automatische Antwort „gut“.
Sondern die ehrliche Antwort, die du vielleicht nur dir selbst gibst.
Wenn du MentalRaum auf Instagram oder Facebook folgst, findest du dort regelmäßig diese kleinen Gedankenpausen.
Vielleicht passt ja gerade eine davon in deinen Alltag.
Ein kleines Experiment: Zehn Minuten ohne Aufgabe
Ich möchte dir etwas vorschlagen.
Keine Challenge.
Kein neues Morgenritual.
Und bitte auch keine weitere Aufgabe, die du anschließend auf deiner To-do-Liste abhaken musst.
Nur ein Experiment.
Nimm dir irgendwann in den nächsten Tagen zehn Minuten.
Ohne Handy.
Ohne Podcast.
Ohne Fernsehen.
Ohne Buch.
Und ohne dir vorzunehmen, dabei besonders entspannt zu sein.
Setz dich einfach irgendwo hin.
Vielleicht mit einem Kaffee oder Tee.
Vielleicht draußen.
Und dann beobachte einmal, was passiert.
Wie lange dauert es, bis dein Kopf sagt:
„Ich könnte doch schnell …“?
Welche Gedanken kommen?
Wirst du unruhig?
Oder genießt du es?
Es gibt dabei kein richtig oder falsch.
Es geht nur darum, dich selbst ein bisschen besser kennenzulernen.
Du darfst müde sein, bevor du erschöpft bist
Vielleicht ist das einer der wichtigsten Gedanken dieses Artikels.
Wir warten häufig sehr lange, bevor wir uns eine Pause zugestehen.
Bis der Körper deutlich signalisiert:
Jetzt reicht es.
Bis wir gereizt werden.
Bis wir nicht mehr konzentriert sind.
Bis wir uns nur noch durch den Tag schleppen.
Aber du musst nicht erst völlig erschöpft sein, um dir Ruhe erlauben zu dürfen.
Du darfst Pause machen, weil du merkst, dass du müde wirst.
Du darfst Nein sagen, bevor dir alles zu viel wird.
Du darfst einen freien Nachmittag haben, obwohl die Wohnung nicht perfekt aussieht.
Und du darfst einen Sonntag genießen, ohne ihn als Vorbereitung auf Montag zu betrachten.
Wer bist du, wenn du gerade nichts leistest?
Diese Frage finde ich besonders spannend:
Wer bist du, wenn du gerade nichts leistest?
Wenn du nichts erledigst.
Niemandem hilfst.
Nichts organisierst.
Keine Ziele erreichst.
Bist du dann weniger wertvoll?
Natürlich nicht.
Und trotzdem leben viele von uns manchmal so, als wäre genau das der Fall.
Vielleicht dürfen wir uns deshalb immer wieder daran erinnern:
Unser Wert hängt nicht davon ab, wie produktiv unser Tag war.
Es gibt Tage zum Machen.
Und Tage zum Sein.
Und meistens brauchen wir beides.
Mein Gedanke zum Schluss
Vielleicht musst du nach diesem Artikel gar nichts verändern.
Vielleicht brauchst du keine neue Entspannungsmethode.
Keinen perfekten Morgen.
Keine weitere Routine.
Vielleicht reicht für heute ein einziger Gedanke:
Ich muss nicht erst alles erledigt haben, bevor ich mir selbst Aufmerksamkeit schenken darf.
Mach eine Pause.
Schau aus dem Fenster.
Trink deinen Kaffee, solange er noch warm ist.
Geh eine Runde spazieren.
Oder sitz einfach fünf Minuten da.
Ohne daraus gleich wieder etwas Produktives machen zu müssen.
Denn manchmal ist Nichtstun keine verschwendete Zeit.
Manchmal ist es genau die Zeit, in der wir wieder bei uns ankommen.
MentalRaum – eine Minute nur für dich
Wenn dich Themen wie innere Unruhe, Stress, festgefahrene Gedanken oder der Wunsch nach Veränderung beschäftigen und du neugierig darauf bist, ob Hypnose oder Coaching ein möglicher Weg für dich sein könnte, kannst du dich gerne bei MentalRaum melden.
In einem unverbindlichen Kennenlerngespräch Kontakt schauen wir gemeinsam, ob unser Ansatz zu deinem Anliegen passt. Kontakt
Und wenn du erst einmal ein bisschen MentalRaum in deinen Alltag holen möchtest, begleite mich auf Instagram und Facebook. Über uns
Dort findest du montags, mittwochs und freitags meine kurzen Videos:
„1 Minute MentalRaum.“
Eine Minute.
Ein Gedanke.
Und vielleicht manchmal genau die kleine Pause, die gerade gefehlt hat.